Während im Bereich Elektrik/Elektronik auch annähernd fotorealistische Darstellungen erzeugt werden können (Batterien, Lämpchen, Schalter), dominieren in den übrigen Bereichen die im Unterricht üblichen schematischen, auf das (physikalisch) Wesentliche reduzierten Simulationen von Versuchsabläufen. Crocodile Physics nimmt damit eine mittlere Position zwischen fotorealistischen "Interaktiven Bildschirmexperimenten" und didaktisch aufbereiteten/reduzierten "Mediotheken" ein. In den Eingriffs- und Gestaltungsmöglichkeiten geht es jedoch über beide weit hinaus. So viel Interaktivität hat jedoch nicht nur ihren finanziellen Preis: Zeitaufwand und Mühen zur Einarbeitung sind nicht zu unterschätzen, will man die Möglichkeiten dieses Programms wirklich voll ausschöpfen. Etwas erleichtert wird die Einarbeitung durch das integrierte Lernprogramm in Verbindung mit fertigen Anwendungsbeispielen. In der Crocodile-Nomenklatur sind dies "Bücher", das heißt aus "Bausteinen" bestehende Simulationen.
Crocodile Physics gehört zunächst zum unterrichts- und versuchsbegleitenden Einsatz per Beamer in die Hand computererfahrener Lehrerinnen und Lehrer. Vorzugsweise ist dies in der gymnasialen Oberstufe oder in Fachschulen mit Schwerpunkt Elektrik / Elektronik empfehlenswert. Auch besonders interessierte Schülerinnen und Schüler solcher Klassen und Jahrgangsstufen, die die Mühen der Einarbeitung in Crocodile Physics nicht scheuen, werden in der Projektarbeit oder für Präsentationen Nutzen aus der Software ziehen. Entsprechend eingewiesenen Klassen kann zum Abschluss eines Themas Gelegenheit gegeben werden, eigene einfache Schaltungen mit Crocodile Physics zu entwerfen und zu untersuchen.
Eine solche Schaltung, die im Rahmen einer Unterrichtseinheit zu den Kirchhoffschen Gesetzen von Schülerinnen und Schülern in Gruppenarbeit erstellt wurde, ist in Abb. 4 dargestellt (Platzhalter bitte anklicken). Das Popup ist ein animiertes GIF, das einen groben Eindruck der Interaktivität von Crocodile Physics vermittelt. Vor dem Hintergrund dieser Einsatzmöglichkeiten erscheint - auch aus Kostengründen - die Anschaffung einer 5-Platz-Grundlizenz durchaus ausreichend. Für den Einsatz im Anfangs- oder Mittelstufenunterricht ist die Software aufgrund ihrer Komplexität und Vielfältigkeit eher überdimensioniert und weniger geeignet.
Manfred Amann unterrichtet Chemie und Physik an einer beruflichen Schulen in Baden-Württemberg. Er ist Autor des Buches "Chemie für Kids" (bhv-Verlag) und Administrator der Schulchemie-Website.