Redaktion / PM
25.07.2012

Cyberbullying: Verbreitung peinlicher Fotos im Netz

Ein Forscherteam der Universität Bielefeld hat Schülerinnen und Schüler zu Übergriffen via Internet und Handy befragt. Das Ergebnis: Sie meinen, dass Opfer peinliche Fotos und Videos, die sich schnell im Netz verbreiten, als am schlimmsten empfinden.
 

Peinliche Privatfotos und Videos, die im Internet kursieren: Forscherinnen und Forscher der Universität Bielefeld haben herausgefunden, dass jugendliche Opfer von Cyberbullying oder Cybermobbing besonders darunter leiden, wenn Mitschülerinnen und Mitschüler solches Bildmaterial verbreiten, um sie lächerlich zu machen. Laut einer aktuellen Online-Studie wird dieses Verhalten von etwa der Hälfte der Opfer als stark oder sehr stark belastend empfunden. An der Studie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) nahmen 1.881 in Deutschland lebende Schülerinnen und Schüler teil und äußerten sich zu ihren Erfahrungen mit Cyberbullying als Opfer, Täter und Zeugen.

 

Cyberbullying

Begriffserläuterung
Der Begriff "Bully" lässt sich mit "Tyrann" und "Schulhofschläger" übersetzen. Cyberbullying nennt man Attacken durch eine oder mehrere Personen über das Internet oder per Handy - etwa wenn Facebook oder Instant Messenger benutzt werden, um jemanden zu verleumden, bloßzustellen oder seinen sozialen Beziehungen zu schaden. Dabei wird ein Schwächerer wiederholt und absichtlich angegriffen. Die Sozialwissenschaftler Peter Sitzer, Julia Marth und ihr Team wollen mit ihrer Untersuchung das Phänomen differenziert beschreiben. Ein Schwerpunkt der Online-Studie lag auf der von den Opfern empfundenen Belastung in Abhängigkeit der verschiedenen Formen von Cyberbullying.

Weitergabe privater Fotos und Videos
Ein Ergebnis der Studie ist, dass manche Formen von Cyberbullying von Betroffenen als stärker belastend empfunden werden als andere. Dazu zählt, dass mehr als die Hälfte der Opfer die Weitergabe privater Fotos und Videos als belastend ansieht, wenn sie damit lächerlich gemacht oder bloßgestellt werden soll. Die Forscherinnen und Forscher erklären sich diesen Befund damit, dass die Folgen dieser Form von Cyberbullying schlecht kontrollierbar sind, weil digitale Fotos und Videos beliebig oft vervielfältigt und verbreitet werden und auf diese Weise einem potenziell unbegrenzten Publikum verfügbar gemacht werden können. Hingegen werden Spott, Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen nur von etwa einem Viertel der Befragten als stark oder sehr stark belastend wahrgenommen. "Das könnte daran liegen, dass diese Form von Cyberbullying auch direkt an das Opfer gerichtet werden kann. In dem Fall werden relativ wenige Personen Zeuge", sagt Peter Sitzer. Zum anderen sei denkbar, dass solche Übergriffe von den Jugendlichen als alltäglich und normal im Umgang mit Altersgenossen verstanden werden.

Die Täter
In der anonymen Befragung kamen auch die Täterinnen und Täter von Cyberbullying zu Wort. Sie gaben an, wie sie ihre Opfer im Internet oder per Handy angegriffen haben. Am häufigsten berichten die Befragten, dass sie andere verspottet, beleidigt, beschimpft oder bedroht haben. Ebenfalls häufig genannt werden rufschädigendes Verhalten und Cyberstalking. Während die Opfer vergleichsweise selten angeben, dass sie im Internet aus einer Gruppe ausgeschlossen wurden, wird diese Form von Cyberbullying von den Tätern häufig genannt. Eine Erklärung für die Abweichung zwischen den Angaben der Opfer und der Täter könnte den Forschern zufolge sein, dass die Opfer oft gar nicht bemerken, aus einer Gruppe ausgeschlossen worden zu sein. "Abwertungen wirken hingegen nur dann verletzend, wenn sie vom Opfer als Demütigung auch wahrgenommen werden", sagt Peter Sitzer. Er vermutet, dass auch aus einem ähnlichen Grund mehr Täter angeben, private Fotos und Videos von Anderen an Dritte weitergegeben zu haben, als das von Opfern berichtet wird. Denn um das Opfer bloßzustellen oder lächerlich zu machen, muss das Opfer selbst gar nicht erfahren, dass zum Beispiel peinliche Fotos von ihm im Umlauf sind.

Keine Lappalie
"Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass Cyberbullying keine Lappalie ist, sondern ein ernsthaftes Problem, dem mit vorbeugenden Maßnahmen begegnet werden muss", sagt Peter Sitzer. Eine Aufgabe von Eltern und Lehrkräften sei, Schülerinnen und Schülern den sozial verantwortlichen Umgang mit anderen Nutzerinnen und Nutzern zu vermitteln. Gleichzeitig müsse es darum gehen, konsequent gegen Fälle von Cyberbullying vorzugehen. In der Studie hatte mehr als die Hälfte der Täter angegeben, dass ihre Übergriffe für sie keine negativen Folgen hatten. Allerdings müsse auch den Tätern dabei geholfen werden, sich zu verändern und die Übergriffe zu unterlassen. Darüber hinaus mahnen die Forscherinnen und Forscher an, dass Opfer von Cyberbullying ernst genommen werden müssen und Hilfe brauchen, das Erfahrene zu verarbeiten und wieder zurück in einen lebenswerten Alltag zu finden.

Zusatzinformationen

Im Web

Bei Lehrer-Online

 
 
 

Immer gut informiert
Den Newsletter mit Neuigkeiten von Lehrer-Online und Aktuellem aus der Bildungswelt können Sie hier abonnieren.
Newsletter abonnieren

 
 
Dienstag, 21.05.13
 
Lehrer-Online-Umfrage
 
Umfrage Lehrer-Online
Newsletter-Übersicht
 
Lehrer-Online-Newsletter
ABOUT YOU
 
Besucher-Hits
 
 
Impressum | Datenschutz | Über uns | RSS-Feeds | Seite bookmarken:  del.icio.us Yahoo! My Web google Bookmarks Digg Mister Wong OneView MerklisteEmpfehlenDruckenSeitenanfang
Nicht redaktionelle Inhalte nach § 6 TMG von anderen Anbietern als Lehrer-Online werden durch den Namen des Anbieters gekennzeichnet.